Die Ausbildung meiner Blindenführhunde

Meine Ausbildung knüpft im Hauptsächlichen an die alten Ausbildungsmethoden an. Während des Ausbildungsprozesses leben meine Hunde in einer ca. 65 m2 eigens für die Ausbildung eingerichteten Wohnung, wobei sie eine gute Sozialisierung als Blindenführhunde voraussetzen.

Die Hunde kommen zu mir in die Ausbildung ca. zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat.

Um den Hund näher kennenzulernen und einschätzen zu können, mache ich eine ca. 14-tägige Leinenprüfung mit ihm. Die Gänge mit dem Hund festigen den Kontakt und das Vertrauen zu mir,
welches grundlegend für die weitere Ausbildung ist.

Nach der Kontaktbildung von Mensch und Hund soll in der 1. Ausbil-dungsphase erreicht werden, dass der Hund sich erst einmal an die Bedingungen im Zuggeschirr und damit an den Ausbildungswagen (auch Phantom genannt ) gewöhnt. Die Anschirrung im Ausbildungswagen entspricht ziemlich genau den Verhältnissen im Hand- bzw. Führgeschirr (d.h. Riemen berühren gleiche Körperteile) .

Im Ausbildungswagen muss der Hund lernen, eine hindernisfreie Gehbahn zu finden, die der Hund während seiner endgültigen Tätigkeit immer suchen und finden muss. Er muss Hörlaute aufnehmen und umsetzen können. Je nach Temperament und Wesen des Hundes muß der Trainer Umfang und Dauer einschätzen und beenden.

Die 2. Phase der Ausbildung besteht aus der Umgewöhnung vom Zuggeschirr (Ausbildungswagen) in das Handgeschirr. Der Hund soll nun erlernte Fähigkeiten im Handgeschirr in Verbindung mit dem Ausbilder umsetzen. Er muss jetzt Hindernissen im Führgeschirr ausweichen und Hindernisse anzeigen.

Er soll vor z.B. Bordsteinkanten, Bodenhindernissen, Engpässen, Höhenhindernissen u.a. warnen (Stillstand bzw. Umgehen der Hindernisse) und für sich und seinem Ausbilder den sicheren Weg suchen.

In dieser Zeit wird der Hund beim positiven Erreichen seines Lernzieles vom Trainer belohnt, wofür es mehrere Möglichkeiten gibt. Allerdings muss der Ausbilder auch bei Nichtbefolgung von Hörlauten oder falscher Erledigung von Aufgaben den Hund in milder Form abstrafen (z.B. mit einer Einwirkung durch das Führgeschirr).

Hat der Hund diese Ausbildungsphase erfolgreich absolviert, werden in der 3. Phase erweitert Hörlaute eingesetzt und ausgeprägt. Der Hund wird nun mit öffentlichen Gebäuden und Räumlichkeiten vertraut gemacht. Es werden z.B. Treppenauf- und Treppenabgänge trainiert. Desweiteren soll der Hund Liftanlagen, Ampeln, Briefkästen und Telefonzellen aufsuchen und anzeigen (z.B. durch Anspringen des jeweils gesuchten Objekts).

In der Ausbildungszeit meiner Hunde wird der Gehorsam täglich abverlangt, geübt und erweitert. Auch ein werdender Blindenführhund tut sich manchmal schwer mit dem -Hören- . Der Ausbilder muss während der Ausbildung auch ein Auge auf das Wohlbefindens eines jeden Hundes haben, denn man kann, wie auch beim Menschen, nur jeden so fördern, wie er auch motiviert ist. Auch Hunde haben mal einen schlechten Tag.


Bevor der Hund das Ende seiner Ausbildundszeit erreicht hat und es zur Übergabe an den Blindenführhundhalter kommt, wird ein sogenannter Probelauf unter Aufsicht des Trainers durchgeführt. Passen Hund und Mensch von ihrer Art und Weise, Wesen und Temperament zueinander, steht einer Übergabe nichts mehr im Wege. Nach dem ca. 15-tägigen Einarbeitungslehrgang und der Übergabe wird aus Halter und Blindenführhund ein zuverlässiges Gespann zusammenwachsen.